Geschäftsverlauf

Weltwirtschaft

Überblick:
Abkühlung der weltweiten Konjunktur

Das Wachstum der Weltwirtschaft1 hat sich 2011 nach der Zwischenerholung im Jahr 2010 abgekühlt. Weltweit verzeichnete das Bruttoinlandsprodukt ein Wachstum von 2,6 Prozent. Während die Wachstumsregionen einen Anstieg von 5,4 Prozent erzielten, übertrafen die Industrieländer das Vorjahresniveau nur leicht um 1,3 Prozent. Anhaltend hohe Risiken wie die Schuldenkrisen in Europa und in den USA sowie die aus der Inflationsbekämpfung resultierende Abschwächung des Wachstums in Asien haben die wirtschaftliche Entwicklung und zunehmend auch das Vertrauen der Investoren und privaten Verbraucher beeinträchtigt.

Verlauf im Jahr 2011:
Nachlassende Dynamik im Jahresverlauf

Nach der schnellen und kräftigen Erholung der Weltwirtschaft von der schweren Rezession im Jahr 2010 bis zum ersten Quartal des Berichtsjahres war das Geschäftsumfeld im weiteren Verlauf des Jahres 2011 von einer nachlassenden Dynamik der Weltwirtschaft gekennzeichnet.

Industrie und Konsum:
Industrie legte weiter zu

Die Industrieproduktion expandierte mit einem Plus von rund 6 Prozent nach wie vor schneller als der private Konsum, der um rund 3 Prozent zunahm. Während besonders die exportabhängigen Industrien teilweise deutliche Zuwächse verzeichneten, war die Entwicklung in konsumnahen Branchen entsprechend verhalten.

Regionen:
Reife Märkte moderat,
Wachstumsregionen robust

In Westeuropa entwickelte sich das Bruttoinlandsprodukt insgesamt schwach. Durch ein Plus von 3 Prozent in Deutschland konnte die Region immerhin ein Wachstum von etwas mehr als 1,5 Prozent erreichen. Auch die nordamerikanische Wirtschaft ist im Gesamtjahr nur wenig gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete sie einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von etwas mehr als 1,5 Prozent. Hohe Rohstoffpreise und eine hohe Arbeitslosenquote in Verbindung mit nur moderaten Einkommenszuwächsen haben den privaten Konsum als Wachstumstreiber erheblich beeinträchtigt. Japans Wirtschaft schrumpfte infolge der Naturkatastrophe um etwa ein halbes Prozent. Die Wachstumsregionen Osteuropa, Asien (ohne Japan), Lateinamerika und Afrika/ Nahost verzeichneten ein im Vergleich zum Vorjahr robustes Wirtschaftswachstum. In Osteuropa setzte sich die wirtschaftliche Erholung mit einem Wachstum von etwa 3 Prozent fort. Insbesondere Russland gehörte mit einem Plus von 4 Prozent erneut zu den dynamischeren Volkswirtschaften innerhalb der Region. Lateinamerika verzeichnete ein kräftiges Wachstum von etwa 5 Prozent. Die Wachstumsländer Asiens erhöhten ihre Wirtschaftsleistung um rund 7 Prozent, getragen weiterhin vor allem von Indien und China.

Rohstoffpreise:
Starker Anstieg der Rohstoffpreise

Die hohe Nachfrage nach Rohstoffen insbesondere in den Wachstumsländern Asiens hat im Lauf des Berichtsjahres zu einem deutlichen Anstieg der Rohstoffpreise geführt. Beispiele hierfür sind die Preisentwicklungen bei Rohöl, Ethylen, Propylen, Palmkernöl, Papier und Metallen. So lag der Rohölpreis im Jahresdurchschnitt mit etwa 110 US-Dollar um fast 30 Dollar über dem Niveau des Vorjahres. Aufgrund der weltweiten Abschwächung des Wachstums im Verlauf des Jahres stabilisierten sich die Rohstoffpreise in der zweiten Jahreshälfte auf hohem Niveau.

Währungen:
Euro im Bann der europäischen Schuldenkrise

Im Jahresdurchschnitt wurde der Euro gegenüber dem US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr von 1,33 auf 1,39 leicht aufgewertet. Im Jahresverlauf ließ sich allerdings kein klarer Trend beobachten: Zu Jahresbeginn stieg der Euro kontinuierlich an und notierte zur Mitte des Jahres zeitweise über 1,46 US-Dollar. Zum Ende des dritten Quartals tendierte der Euro wieder schwächer und lag am Jahresende auf einem niedrigeren Niveau von 1,29 US-Dollar. Dieser Verlauf hat seine Ursache insbesondere in der Schuldenkrise in Europa.

Die Entwicklung anderer für Henkel wichtiger Währungen gegenüber dem Euro stellt nachfolgende Tabelle dar:

Durchschnittskurse gegenüber dem Euro
  2010 2011
Chinesischer Yuan 8,98 8,99
Mexikanischer Peso 16,75 17,31
Polnischer Zloty 4,00 4,13
Russischer Rubel 40,26 40,91
US-Dollar 1,33 1,39

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Inflation:
Anstieg des weltweiten Preisniveaus

Die Inflation ist von knapp 3 auf 4 Prozent gestiegen – in erster Linie durch die stark erhöhten Rohstoffpreise. Die Verbraucherpreise haben in allen Regionen angezogen, allerdings fiel die Entwicklung in den Ländern sehr unterschiedlich aus: In Nordamerika, in Westeuropa und hier vor allem auch in Deutschland ist die Inflation merklich gestiegen. Hingegen war die Entwicklung in Japan anhaltend deflationär. In China nahm die Inflation deutlich zu. Verantwortlich hierfür waren das kräftige Wachstum sowie hohe Preissteigerungen, insbesondere bei Lebensmitteln.

Arbeitslosigkeit:
Leichter Rückgang auf weltweit rund 7 Prozent

Die Arbeitslosigkeit hat sich in den Industrieregionen leicht auf 8 Prozent verringert. In Nordamerika verharrt die Arbeitslosigkeit mit rund 9 Prozent auf hohem Niveau. In Deutschland hat der Arbeitsmarkt eine erfreuliche Entwicklung genommen, so dass die Arbeitslosenquote mit leicht unter 7 Prozent spürbar unter dem Vorjahresniveau lag. In den Wachstumsregionen blieben die Arbeitslosenquoten mit etwa 7 Prozent stabil. Weltweit ist die Arbeitslosigkeit mit rund 7 Prozent leicht zurückgegangen.

Branchenentwicklung:
Konsum mit leichtem Anstieg

Der Anstieg der privaten Konsumausgaben blieb mit rund 3 Prozent verhalten. In den Industrieländern gaben die Konsumenten im Berichtsjahr sogar nur rund 1 Prozent mehr aus als im Vorjahr. Die Verbraucher in Nordamerika haben ihre Ausgaben um etwa 2 Prozent gesteigert. In Westeuropa lagen die Konsumausgaben nur marginal über dem Vorjahr, getragen im Wesentlichen von Deutschland, das rund 1 Prozent zulegte. Konsumfreudiger zeigten sich die Wachstumsländer mit einem Plus von etwa 5 Prozent. Der private Konsum entwickelte sich dort genauso stark wie die gesamte Wirtschaft.

Industrie mit robustem Wachstum

Die Industrieproduktion expandierte mit einem Plus von 6 Prozent nach wie vor schneller als die Gesamtwirtschaft. Wachstumstreiber waren die exportabhängigen Branchen und hier insbesondere die Elektrotechnik und Elektronikindustrie, der Transportsektor sowie die Metallverarbeitung, die ihre Produktion jeweils deutlich steigerten. Sie profitierten von der erhöhten Investitionstätigkeit in den Industrieländern und den regen Exportaktivitäten.

Die Entwicklung der Industrieproduktion war allerdings regional recht unterschiedlich. Das verarbeitende Gewerbe in Westeuropa und in Nordamerika expandierte um über 4 Prozent. Asiens Industrie legte um rund 8 Prozent zu. Dazu trugen insbesondere die Wachstumsländer China, Südkorea und Indien bei, während die japanische Industrie aufgrund der Natur- und Nuklearkatastrophe zurückging.

Die für Henkel wichtigen Abnehmerbranchen Transportindustrie und Elektronik konnten ihre Produktion mit rund 7 Prozent deutlich ausweiten. Auch in der Automobilindustrie konnten starke Zuwächse erzielt werden. Innerhalb der Elektronikbranche war das für uns relevante Wachstum bei den Basisprodukten wie Halbleitern und Halbleiterplatten nur leicht positiv. Mit rund 8 Prozent war das Wachstum in der Metallindustrie robust. Verhaltener hingegen war die Entwicklung in konsumnahen Branchen wie der globalen Verpackungsindustrie, die mit den Branchen Nahrungsmittel, Getränke sowie Papier und Druck im unteren einstelligen Bereich wuchs. Die Bauproduktion ist im Jahr 2011 nach mehreren rückläufigen Jahren erstmals nicht geschrumpft. Während die Bautätigkeit in den Wachstumsregionen äußerst rege war, kam es in Nordamerika und Westeuropa zu einem Rückgang von rund 9 beziehungsweise rund 1 Prozent.

1 Quelle für die Daten der Weltwirtschaft: Feri EuroRating Services, Januar 2012.